Freitag, 18. Januar 2008

Egomobilist

Einmal mehr sitze ich in meiner Stammkneipe, löse das BLICK Kreutzworträtsel
und lausche mit halbem Ohr den Weltbewegenden Diskussionen welche an der
Bar-Theke geführt werden. Zwischendurch schaue ich zum Fenster raus und
Beobachte die Automobilisten welche vor der Kneipe ihre Fahrzeuge betanken.
Da fährt ein grosses, langes und wahrscheinlich sehr teures Auto vor, der Fahrer
braucht fast ein Äeon um auszusteigen. Vornübergebeugt, in der rechten Hand
einen Krückstock haltend und mit der linken Hand am Auto abgestützt tastet er sich
voran Richtung Tankdeckel.
Erst jetzt bemerke ich den Luftzug an meinem Halszapfen und lasse den Unterkiefer
wieder in Normalstellung schwenken.
Nur die Hühnerhaut am Rücken will nicht so recht verschwinden. Man stelle sich
einmal folgende Szene vor welche sicher, oder leider, jeden Tag irgendwo in
der Schweiz passiert:
Hansli der kleine Schüler fährt mit dem Bike Richtung Gähnkaserne, das Licht am
Zweirad ist Ok, der Velohelm drückt wie gewohnt auf die Ohren und im Rucksack
klappern die ausgeliehenen Game Boy Spiele aneinander. Hansli macht kleine
Schwenker und träumt den Traum der Kinder.
Da kommt nun der alte Fritz mit seinem grossen, langen und wahrscheinlich sehr
teuren Auto um die Kurve, sieht noch knapp ein rotes Rücklicht, reagiert mit der
Effizients einer Rennschnecke und schon fliegt Hansli wie Super Mario auf den
nächsten Level.
Hansli liegt mitten auf der Fahrbahn, 
Hansli blutet, Hansli könnte gerettet werden.
Doch Rennschnecke Fritz muss zuerst mal aus dem Auto raus, muss die Unfallstelle
sichern; 50m mit der Krücke in der einen, dem Pannendreieck in der anderen Hand.
Fritz muss sich bücken, sollte dem kleinen Hansli erste Hilfe leisten. In Fritzes jungen
Jahren kein Problem, die Schocklagerung hätte er aus dem FF gemacht und
Hänsli hätte richtig gelagert, das Erbrochene ausgespuckt.
Doch leider ist es Heute passiert und für die beiden Zivilbeamten der Polizei war
es einmal mehr ein schwerer Gang an die Haustüre der Eltern in der nun viel zu
grossen Wohnung.

Fritz hat mittlerweile fertig getankt und ich schubse die letzten Bilder dieses
grausigen Szenarios aus meinen Gedanken.
Die Weltbeweger an der Bar haben gerade Sendepause und ich nutze die Stille
um ein kleines Fritz Intermezzo in die Runde zu werfen. Alle drehen den Kopf
und gemeinsam schauen wir zu wie unser Hauptdarsteller die Bühne verlässt.

"Du wirst ja auch einmal alt, hörst Du dann etwa freiwillig mit Autofahren auf ?"
Da hat das Schaf an der Theke gar nicht so unrecht; Geht mir durch die
Denkzellen. Könnte ich wirklich meine ach so geliebte Mobile Freiheit einfach
aufgeben und mich selber zum Krükenvolk runter Degradieren? Mich am Ende
nur noch mit dem wahnsinnig spannenden täglichen Trip auf die nächste
Parkbank zufrieden geben zu müssen ?

Ja, seit ich Heute Fritz gesehen habe und weiss was mit Hansli passieren kann,
bin ich überzeugt, zum gegebenen Zeitpunkt den Egomobilisten in mir
auf den Schrottplatz stellen zu können.

Danke Fritz, habe wieder etwas gelernt:
Alter macht nicht nur Weise
einige werden Geistige Greise.

Berner Platte

Das Leben ist zu kurz um es nicht zwischendurch Kulinarisch zu verfeinern,
sofern man in Verhältnissen lebt die Ebendies erlauben.
So wurde ich vor kurzem zu einer "Berner Platte" mit Speck, Kartoffeln und Bohnen
eingeladen.
Ich bin zwar nicht unbedingt ein Fan dieses Ur-Bernischen Geköchs, aber einem
geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Also mache ich mich auf den Weg
zu Muti welche mich eingeladen hat.
Ich stehe bei Ihr in der Küche, stecke den Rüssel in die Luft und rieche Spagetti-
Sosse, nichts mit Speck und Bohnen.
Was war geschehen ?
Muti war Einkaufen, im Coop, Sie hatte schon fast alle Zutaten im Wagen, nur die
gedörrten Bohnen waren noch zu krallen. Muti findet die Bohnen, schaut kurz auf die
Packung, liest das Kleingedruckte und muss mit Schaudern feststellen: Made in China!

Muti ist da eigen, ich übrigens auch, Bernerplatte mit Zutaten aus China, nein Danke!
Klar Spagetti kommen ja ursprünglich auch aus China und Kartoffeln aus den
Südamerikanischen Anden, aber wir hatten auch 500 Jahre Zeit uns daran zu
gewöhnen.
Doch wenn die Bohnen in China angepflanzt werden um anschliessend die Welt
zu umrunden damit wir hier in der kleinen Schweiz mangels Produzenten doch
noch zu einem Traditionellen Gericht kommen, nein Danke!

Ich habe dann darüber geschlafen, den ersten Frust weggeträumt und bin zum
Schluss gekommen: Gar nicht so schlimm, alles ist im Wandel und was spricht
dagegen eine Bernerplatte mit Stäbchen zu essen ?!

Montag, 7. Januar 2008

Sag mir wo die Betler sind ?

Ich stehe am Bancomat und da wird es mir schlagartig Bewusst, Weihnachten ist definitiv vorbei, die Betler sind in den Urlaub abgerauscht. 
Na ja, als ich am 23. Dezember meiner Geldbörse einen
blauen Zustupfte und anschliessend aus der Bank in die Klimaveränderte Frische trat,
schaute der Quetschkomoden spielende Bettler direkt in mein Christlich geprägtes
Gewissen und versuchte mit schrägen tönen einen Obulus aus meinem Beutel zu ziehen.
(ich Spende aus Prinzip nicht Geld, helfe lieber Direkt mit Futter oder Manpower)

Also Heute ist mir aufgefallen, dass sich die Betler wieder auf das Stammpersonal reduziert
haben. Da kommen bei mir sofort Marktwirtschaftliche Überlegungen; Anscheinend
verdient man mit Betteln um die Weihnachtszeit einen vollen Hut so das man
den Rest des Jahres Freinehmen kann.

Oder ist die Ganze Geschichte mit der Bettelei nur noch Fassade ?
Ein Weihnachtstheater mit zwei Darstellern: Der Bettler, Mitglied einer straff Organisierten
Gruppe aus Östlichen Gefilden, die sich an den Wurzeln des Kapitalismus laben. Gegenüber
der Bürger Müller, unbescholten, Christ und Steuerzahler den alten Bräuchen und
Traditionen verpflichtet.
1er Akt: Advent und Fest
2er Akt: Essen und Geschenke
3er und letzter Akt: Haltet den Topf am Kochen
"Anyway" sagt der Engländer, es sind auf jeden Fall alle zufrieden.




Sonntag, 6. Januar 2008

Lieber Nachbar

Ich habe neue Nachbarn bekommen! Der letzte in der Wohnung unter mir war ein Anonymes Geistwesen, 
nie vernahm ich auch nur ein husten oder rülpsen, keine Staubsaugergeräusche,
kein lauter Fernsehmoderator der sich aufdringlich durch die Decke
in mein Gehör labberte. Eigentlich war das ganze Haus bis vor drei Tagen ein
 Palast Nekrophylen Alltags, eine Residenz der stummen und
Finkentragenden Arbeiterschaft die sich nach getaner, redlicher Arbeit
dem Gähnen auf dem Wohnzimmer Sofa widmet.
Bis vor drei Tagen war das einzige laute Geräusch das ich,
seit ich hier wohne gehört habe, der Aufschrei eines Fussballbegeisterten
Nachbars annlässlich eines wohl wichtigen Spiels.

Doch seit drei Tagen ist alles anders, ich muss mich jetzt Integrieren, muss die 
Lebensgewohnheiten meines neuen Sozialen Umfeldes Adaptieren,
schliesslich bin ich Schweizer und die sind sehr Anpassungsfähig.
 Zumal ja letztes Jahr das Wort "Integration" in allen Medien
überdurchschnittlich präsent war.

Es ist gut so, das Leben braucht Veränderung, das Leben ist Evolution und die
Evolution hat nun halt auch meinen ruhigen, beschaulichen Wohnraum erfasst und
passt sich an die neue Hausordnungs- und Kniggefreie Gesellschaftsform an.

Ich habe nun auch begonnen Abends um halb zwölf Staubzusaugen und endlich,
nach Jahren der (Selbstgewählten) Fernsehabstinenz, bekomme ich doch noch
(Akustisch) mit welch Interessantes Medium der Fernseher eigentlich ist,
da hörte ich doch in einer Talkrunde das eine Frau Ihre Pudel als Alleinerben ihres.....
Lassen wir das.
Ich werde in Zukunft meine Müllsäcke auch in Gebührenfreien Säcken
neben dem Kellereingang deponieren. Da hat mein neuer Nachbar eine gute Idee
gehabt, so spare ich auch die Entsorgungskosten.
Auch das ich jetzt Sonntags mit meiner Bohrmaschine und der Stichsäge
herumwerkeln kann ohne als "Negativ Mieter" aufzufallen hat seinen Reiz.

Das einzige was ich an der ganzen neuen Situation als störend erachte ist die
Tatsache, das ich noch nicht früher auf die Vorteile des Egoismus gestossen
bin !

Freitag, 4. Januar 2008

Einsamer Mensch

Da fahre ich also so vor mich hin von A nach B, halte mich Korrekt an die Tempolimite, werfe einen Blick in den Rückspiegel und da ist er:
Der klebrig, penetrante Soziopat mit seinem Supergeilen, Mobilen Selbstwertfindungs Gefährt. 
Er hängt sich so an mein Heck das sich mir die Arschbacken vor der kommenden 
Vergewaltigung zusammenziehen.
Oder ist es ein einsamer Mensch der Nähe sucht? 
Kriegt seine Frau vielleicht ein Kind auf dem Rücksitz?

Entlich, eine lange gerade, er überholt mich, rauscht von dannen. Ich schmeisse das Schleudertrauma und andere Auffahrblessuren aus meinen Gedanken, entspanne die Po Backen und wünsche seiner Frau eine nicht allzu schwere Geburt.

In B angekommen stelle ich fest das der penetrante Soziopat eigentlich nur Menschliche
Nähe suchte,
sein Auto steht vor meiner Stammkneipe!

Die Moral der Geschichte? Es gibt keine, nur weiss ich jetzt das meine Gesundheit nur
eine Stange Bier wert ist, inkl. MwSt.